Vielfalt braucht Verantwortung
Im Pflege- und Betreuungsnetzwerk gibt es seit Kurzem eine zentrale Ansprechpartnerin für Fragen rund um Vielfalt und Diskriminierung: Katharina Willausch, Hausleitung im St. Josef-Haus Ennigerloh, übernimmt ab sofort die Aufgabe der Diversitätsbeauftragten.
Hintergrund ist die laufende Zertifizierung zum Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“, die alle vier Einrichtungen des Netzwerks einbindet. Ziel ist es, bis Anfang 2026 die Auszeichnung zu erhalten. Damit geht auch die Verpflichtung einher, eine Diversitätsbeauftragte zu benennen – eine Aufgabe, die Willausch nun zusätzlich zu ihrer Leitungsfunktion übernimmt.
„Mit dem neuen Leitbild, das die Stiftung 2024 gemeinsam finalisiert hat, war klar, dass das Thema Vielfalt eine besondere Bedeutung hat“, erklärt Willausch. Die Zertifizierung im Netzwerk startete im Oktober 2024. Sie basiert auf einem umfangreichen Handbuch mit konkreten Indikatoren für eine diversitätssensible und migrationssensible Pflege. In allen Einrichtungen arbeiten interdisziplinär besetzte AGs an der Umsetzung – auch sie sind bewusst vielfältig zusammengesetzt.
Willausch versteht ihre Rolle als Beauftragte nicht nur organisatorisch: „Es geht nicht darum, Menschen zu ändern – es geht um eine Haltung, die unserem Leitbild entspricht.“ Ihre Aufgabe ist es, Themen wie sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sowie Migrationssensibilität im Alltag der Einrichtungen sichtbar zu machen und mitzugestalten. Sie ist erste Anlaufstelle für Mitarbeitende, Bewohner:innen und Angehörige – ob bei konkreten Vorfällen oder allgemeinen Fragen. In Gesprächen, Teamsitzungen und Arbeitsgruppen regt sie zur Auseinandersetzung mit Vorurteilen an und schafft Raum für Reflexion. Sie begleitet Prozesse beratend und unterstützend – auf Augenhöhe und mit dem Ziel, Entwicklung zu ermöglichen. „Zu unserem Leitbild passt es, Konflikte im Kontext von Diversität und kulturellen Unterschieden durch respektvollen Umgang zu vermeiden oder konstruktiv zu lösen. Hierbei kann Frau Willausch als Diversitätsbeauftragte Unterstützung bieten“, so Dr. Ansgar Klemann, Vorsitzender der Geschäftsführung.
Ein zentrales Element auf dem Weg zu mehr Vielfalt in den Einrichtungen sind digitale Fortbildungen: In zwei jeweils dreistündigen Modulen setzen sich Mitarbeitende am PC mit den Themen auseinander. Zwar sind die Schulungen Teil der Zertifizierung, doch für das Netzwerk ist klar: Sie sind mehr als eine formale Voraussetzung. „Wir schaffen Räume, in denen diese Seminare stattfinden können. Es werden Dinge erklärt, es werden Fragen gestellt“, betont Willausch. Viel wichtiger aber: Sie stoßen Gespräche an und machen Vielfalt im Arbeitsalltag konkret.
Auch für sich selbst sieht sie Entwicklungspotenzial, sich zum Thema Diversität weiterzubilden. Denn klar ist: Der Weg zu mehr Vielfalt ist ein gemeinsamer – und er beginnt bei der Haltung jeder einzelnen Person.