Netzwerkeinrichtungen erhalten Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“
Für viele Mitarbeitende ist die Zertifizierung mit dem Qualitätssiegel ‚Lebensort Vielfalt‘ ein sichtbarer Beleg dafür, was sie gemeinsam auf den Weg gebracht haben – zugleich aber auch Ansporn, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Nach der offiziellen Übergabe wurde gemeinsam mit einem Glas Sekt auf die Auszeichnung angestoßen.
Für Netzwerkkoordinator Markus Giesbers ist die Zertifizierung Bestätigung und Auftrag zugleich. „Wir wollen Weltoffenheit mit christlichen Wurzeln leben und Vielfalt als Bereicherung verstehen“, betonte er. Dietmar Specht, Geschäftsführer der Altenhilfeeinrichtungen, knüpfte die Auszeichnung direkt an das gemeinsame Leitbild an: „Menschen sind uns wichtig“ sei die Grundlage des Prozesses gewesen. Ziel sei es, Offenheit und Akzeptanz für unterschiedliche Lebensrealitäten weiter zu stärken.
Gemeinsamer Erfolg für alle Beteiligten
Das Siegel würdigt Einrichtungen, die sich für einen sensiblen und diskriminierungsfreien Umgang mit unterschiedlichen Lebensrealitäten einsetzen. Im Mittelpunkt standen insbesondere sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sowie die Bedürfnisse von Menschen mit Migrationsgeschichte. Bereits mit dem gemeinsamen Leitbild der Stiftung und der Teilnahme an der Respect-Kampagne des Sozialdienstes katholischer Frauen hatte das Netzwerk deutlich gemacht, dass Vielfalt und Weltoffenheit feste Bestandteile der Unternehmenskultur sein sollen.
Im Verlauf des Projekts nahmen Mitarbeitende an Fortbildungen teil, Arbeitsabläufe wurden überprüft und Informationsmaterialien angepasst. Zudem wurde mit Katharina Willausch erstmals eine Diversitätsbeauftragte für die Einrichtungen benannt. Sie steht Bewohner:innen, Gästen, Angehörigen und Mitarbeitenden als Ansprechpartnerin für Fragen rund um Vielfalt und Diskriminierung zur Verfügung. „Es geht nicht darum, Menschen zu ändern – es geht um eine Haltung, die unserem Leitbild entspricht“, betonte Willausch.
Wohnbereichsleiterin Sina Schellenberg berichtete aus dem Alltag eines multikulturellen Teams im St. Josef-Haus Ennigerloh: „Wir profitieren von der Vielfalt.“ Die Zertifizierung habe dabei geholfen, noch sensibler miteinander umzugehen und genauer hinzuschauen.
Prüfer:innen würdigen Engagement und offene Atmosphäre
Beim Abschlussgespräch hoben die Prüfer:innen besonders das Engagement der Mitarbeitenden und die offene Atmosphäre in den Einrichtungen hervor. „Es war bemerkenswert, wie motiviert Sie waren“, sagte Quirin Bömmel von der Schwulenberatung Berlin. Gemeinsam mit Ilknur Özer Erdogdu verlieh er das Siegel persönlich in Sendenhorst. Bundesweit tragen bislang erst 34 Einrichtungen das Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“. Die Offenheit und Ehrlichkeit seien in den Gesprächen deutlich spürbar gewesen. Positiv bewertet wurden unter anderem die demenzsensible Gestaltung der Häuser, Hilfsmittel zur besseren Verständigung sowie die wertschätzende Haltung im Alltag. Bewohner:innen und Mitarbeitende hätten vielfach berichtet, sich gut aufgehoben und angenommen zu fühlen. Teilweise sei sogar von einem „zweiten Zuhause“ gesprochen worden.
Die Rezertifizierung im Blick
Wie wichtig eine solche Haltung ist, machte Bewohnerin Ingeborg Schäfer während der Feierstunde deutlich. Nach ihrem Einzug ins St. Elisabeth-Stift habe sie sich zunächst schwergetan. Durch die Unterstützung der Mitarbeitenden habe sie jedoch neues Vertrauen gewonnen. „Die Zeit hat mir ganz viel Zuversicht gegeben“, sagte sie. Heute merke sie wieder: „Du bist ja nicht nur die Kranke hier, du kannst doch mehr. Da kommt noch was!“
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Matthias Dieckerhoff. Mit der Querflöte spielte er „Somewhere Over the Rainbow“ von Judy Garland. Die Sängerin gilt bis heute als Ikone der LGBTQ+-Bewegung, weshalb das Lied bewusst als musikalischer Auftakt gewählt worden war. Zum Abschluss stimmten die Gäste gemeinsam „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens an. Das Lied erzählt die Geschichte vieler Gastarbeiter und schlug damit einen Bogen zu einem zentralen Thema des Zertifizierungsprozesses: dem wertschätzenden Umgang mit Menschen unterschiedlicher Herkunft.
Die Auszeichnung ‚Lebensort Vielfalt‘ markiert dabei keinen Endpunkt. Für die Einrichtungen beginnt nun die Phase der Weiterentwicklung und Vorbereitung auf die spätere Rezertifizierung. Für eine Rezertifizierung ist auch die weitere Vernetzung mit Community-Einrichtungen ein wichtiger Bestandteil. Geplant sind weitere Fortbildungen, zusätzliche Informationsangebote sowie eine kontinuierliche Weiterentwicklung der erarbeiteten Konzepte.